Der Frankenbund e.V. - Vereinigung für fränkische Landeskunde und Kulturpflege - wurde am 11. Oktober 1920 durch den Gymnasiallehrer Dr. Peter Schneider (1882-1958) in Würzburg gegründet. Er dient seit seiner Gründung vor fast 90 Jahren dem Ziel, die fränkische Kultur zu fördern und das kulturelle Erbe Frankens zu pflegen. Gerade in einer sich ständig verändernden Welt hält er es für wichtig, auf die örtlichen Wurzeln unseres Lebens hinzuweisen und so ein Heimatbewußtsein zu entwickeln.
Um dieses Bewußtsein lebendig zu erhalten, möchte der Frankenbund die besonderen kulturellen Werte in Franken herausarbeiten und bemüht sich daher intensiv darum, die vielfältigen Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung auf dem Gebiet der Landes- und Volkskunde, der Kunst und Geschichte zu verbreiten. Dabei sollen diese Kenntnisse möglichst vielen Menschen in allgemeinverständlicher Weise nahegebracht werden.
Deswegen will der Frankenbund die fränkische Eigenart in Sprache und Kunst, Sitte und Brauch pflegen und das Verständnis für die kulturelle Entwicklung Frankens fördern. Der Frankenbund unterstützt alle Bestrebungen einer aktiven Kultur- und Heimatpflege im gesamtfränkischen Raum, d.h., auch in den außerbayerischen fränkischen Gebieten, die heute zu den Bundesländern Baden-Württemberg und Thüringen gehören.
Da der Frankenbund von Anfang an möglichst viele Interessierte ansprechen wollte, legte er sich schon in seiner ersten Satzung 1921 auf eine konfessionelle und parteipolitische Neutralität fest und verwarf zugleich jede Art separatistischer Ausrichtung. Ihm ging es stets nur um die Stärkung eines "Fränkischen Stammesbewußtseins" und nicht um eine Loslösung aus dem politischen Verband des Freistaates Bayern. Man wollte durch das klare Bekenntnis zur eigenen Geschichte, zum eigenen Kulturkreis und zur eigenen Sprache einen deutlichen Akzent gegen die seit dem 19. Jahrhundert zu verspürenden Tendenzen einer schleichenden Bajuwarisierung Frankens setzen.
Der Erfolg, der bis heute anhält, gab dem Gründer Dr. Peter Schneider recht. Binnen kurzer Zeit fanden sich zahlreiche Gleichgesinnte in ganz Franken zu einzelnen örtlichen Frankenbundgruppen zusammen. Derzeit zählt der Frankenbund mehr als 7.400 Mitglieder, die sich in zahlreichen selbständigen und assoziierten Gruppen organisiert haben. Insgesamt existieren momentan 33 Gruppen in Ober-, Mittel- und Unterfranken sowie in Südthüringen und Altbayern, die vor Ort die Aufgaben des Frankenbundes zu verwirklichen trachten.
Die einzelnen Gruppen befassen sich mit fränkischer Geschichtsforschung und treten aktiv für Denkmal- und Naturschutz ein. In Vorträgen, bei Besichtigungen, Fahrten und Wanderungen zeigen sie die ganze Vielfalt Frankens aus Kunst, Geschichte, Literatur, Musik und Volkskunde auf. Sie sprechen dabei auch neu Hinzugezogene an und machen sie mit ihrer neuen Umgebung vertraut. Aktuell existieren Gruppen in Ansbach, Aschaffenburg, Augsburg, Bad Kissingen, Bad Neustadt, Bad Rodach, Bamberg, Baunach, Bayreuth, Coburg, Forchheim, Eisfeld, Gerolzhofen, Haina, Haßfurt, Herzogenaurach, Karlstadt, Kitzingen, Lauf, Marktbreit, Meinigen, Miltenberg, München, Nürnberg, Obernburg, Ochsenfurt, Schwabach, Schweinfurt, Suhl, Volkach, Weißenburg und Würzburg (2x).
In der schwierigen Zeit des Nationalsozialismus, als beim Bundestag 1933 Mitglieder des "Kampfbundes für deutsche Kultur" handstreichartig versuchten, den Frankenbund aufzulösen, konnte Dr. Peter Schneider den Verein durch ein taktisches Manöver vor dem Untergang retten. Man trat formell und ohne weitere Verpflichtungen dem "Kampfbund" bei und blieb von da an zwar nicht gerade erwünscht, aber doch immerhin geduldet. Das persönliche Opfer, das der der braunen Partei nicht wohl gesonnene erste Bundesvorsitzende bringen mußte, war der Beitritt zur von ihm ungeliebten NSDAP. Den Erhalt des Vereins trotz der Gleichschaltungswünsche des Regimes betrachtete Dr. Schneider später "als das größte Kunststück" seines Lebens. Schon 1946 konnte der Verein mit Genehmigung der Militärregierung sein Wirken in Bamberg, schließlich 1949 auch in Würzburg wieder aufnehmen.
An der Spitze des Frankenbundes steht die Bundesleitung, der Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben und der Wissenschaft ganz Frankens angehören. Bis zu seinem Tode im Jahr 1958 nahm Dr. Peter Schneider die Aufgabe des ersten Bundesvorsitzenden selbst wahr. Ihm folgten der Würzburger Oberbürgermeister Dr. Helmut Zimmerer, der 1984 plötzlich verstarb, und anschließend bis 2003 der Regierungspräsident von Unterfranken Dr. Franz Vogt im Amt nach. Heute führt der Nachfolger von Dr. Vogt als unterfränkischer Regierungspräsident, Dr. Paul Beinhofer, den Frankenbund.
Eine der Grundlagen für das Entstehen des Frankenbundes war die Existenz der Zeitschrift "Franken", die 1913 erschien, aber schon binnen Jahresfrist wieder einging. Dr. Peter Schneider war auf die Zeitschrift aufmerksam geworden und so nahm er 1914 Kontakt zum Nachfolgeorgan "Frankenland. Zeitschrift für alle Frankenfreunde zur Kenntnis und Pflege des fränkischen Volkstums" auf. Seit 1916 lag die Schriftleitung dann in seinen Händen, bis die Zeitschrift infolge der Inflation 1922 ihr Erscheinen einstellte. Dennoch gab es weiterhin Publikationsorgane des Frankenbundes unter wechselnden Namen: "Franken", "Mitteilungen des Frankenbundes", "Werkblatt des Frankenbundes", "Der Frankenbund", "Bundesblatt des Frankenbundes", "Briefe des Frankenbundes", "Nachrichten aus dem Frankenbund". Die neue Folge der Zeitschrift "Frankenland" erschien schließlich ab 1954. Unter Mitzählung von vier Jahrgängen der "Briefe" kommt derzeit der 60. Jahrgang der "Zeitschrift für fränkische Landeskunde und Kulturpflege" heraus.
Das "Frankenland" veröffentlicht jedes Jahr sechs Hefte mit einem Gesamtumfang von rund 480 Seiten; die Auflage liegt bei etwa 4.500 Exemplaren pro Ausgabe. Die Zeitschrift wendet sich vor allem an ein Publikum, das ein hohes Interesse an der vielfältigen fränkischen Geschichte, Kultur und dem Brauchtum hat. Folglich ist die Verbreitung weit höher als bei einer in erster Linie wissenschaftlich ausgelegten Fachzeitschrift. Um Benutzern den Zugang zu den ca. 80 Bänden Zeitschriften des Frankenbundes mit ihren um die 28.000 Seiten zu erleichtern, befindet das Projekt, die Zeitschrift über die Online-Kataloge der Universitätsbibliothek Würzburg in das Internet zu stellen, momentan in der Umsetzung.
Die Delegierten der Gruppen und die Bundesleitung treffen sich zweimal jährlich zur Beratung anstehender wichtiger Fragen. Im Mai finden die Bundestage und im Herbst die Bundesbeiratstagungen an einem jeweils wechselnden fränkischen Ort statt. Am häufigsten traf sich der Frankenbund bisher am Ort seiner Gründung Würzburg, wo auch der 75. Bundestag 2004 abgehalten wurde.
Seit dem Jahr 1959 veranstaltet der Frankenbund auch alljährlich ein "Fränkisches Seminar", das mit seinem Thema die Initialzündung für die Ausgestaltung der Jahresprogramme der einzelnen Gruppen bieten möchte; d.h., im Folgejahr nach dem Seminar soll im gesamten Frankenbund das durch das Seminar festgelegte "Jahresthema" in Vorträgen, Exkursionen u.ä. Behandlung finden. Bislang haben 48 Fränkische Seminare stattgefunden, die sich ganz unterschiedlichen Fragestellungen widmeten. Der Tagungsort, der bislang am häufigsten ausgewählt wurde, war Schloß Schney bei Lichtenfels in Oberfranken. In früheren Jahren gab es auch regelmäßige Bundessternfahrten, bei denen sich möglichst aus allen Frankenbundgruppen Busse mit Bundesfreunden zu einem von der Bundesleitung ausgesuchten Ziel auf den Weg machten. Vor Ort fand dann ein interessantes Besichtigungsprogramm statt, an das sich ein geselliges Beisammensein der Teilnehmer anschloß. Diese Art der Veranstaltung sollte der Steigerung des Zusammengehörigkeitsgefühles der "Frankenbündler" über die einzelnen Gruppen des Vereins hinweg dienen. Darüber hinaus wurden bereits seit 1923 bis in die jüngere Vergangenheit auch Bundesstudienfahrten angeboten. Bei diesen Reisen, die die Bundesleitung für interessierte Mitglieder anbot und organisierte, wurden besonders mit der fränkischen Geschichte und Kultur verbundene Gegenden im näheren und weiteren fränkischen Raum aufgesucht.
Nach außen versucht der Frankenbund seit 1991 durch die jährliche Vergabe eines mit 1.500 Euro dotierten Kulturpreises zu wirken. Die bisher ausgewählten Preisträger repräsentieren ein breites Spektrum an Persönlichkeiten, die in der bildenden und darstellenden Kunst tätig sind, als Wissenschaftler und Schriftsteller fränkische Themen behandeln oder als Museumsleiter und Denkmalpfleger sich um fränkische Kunst verdient gemacht haben sowie als Kabarettisten, Cartoonisten und Mundartautoren den fränkischen Humor lebendig halten.