Über den Frankenbund

Dr. Peter Schneider - Gründer des Frankenbundes

Der Frankenbund wurde kurz nach dem Ersten Weltkrieg von Dr. Peter Schneider aus Sorge um das konstatierte mangelnde Heimatbewußtsein der Bewohner Frankens gegründet. Erste Aufgabe des Frankenbundes sollte es deshalb nach dem Willen des Gründers sein, das "fränkische Volkstum [zu] pflegen und vor verfremdenden Einflüssen [zu] bewahren; er soll[te], durch die gemeinschaftliche Pflege des fränkischen Volkstums, die bestehende kulturelle und bewußtseinsmäßige Zersplitterung überwinden helfen und zu einer umfassenden fränkischen Einheit und Einigkeit führen ..." Dieses Ziel wollte Schneider erreichen, indem er "alle fränkische Kultur ... allen Franken bekannt und zugänglich mach[t]". Der Begriff 'fränkische Kultur' war schon damals sehr weit gefaßt; er umfaßte "Natur, Mundart, Literatur, Dichtung, Kunst, Musik, Geschichte, Sitte und Brauchtum aus Vergangenheit und Gegenwart".

So sehr sich Schneider für eine Stärkung der fränkischen Identität einsetzte, so strebte er jedoch zu keinem Zeitpunkt einen "fränkischen Sonderstaat" oder gar eine "Abtrennung Frankens vom Freistaat Bayern" an. Vielmehr galt sein Bestreben der "Pflege der bisher selbständigen, von Altbayern und Schwaben unabhängig verlaufenen Kultur Frankens".

Um dieses Ziel zu realisieren, wollte Schneider alle Bewohner Frankens ansprechen. Deshalb ist der Frankenbund bis heute keine wissenschaftliche Vereinigung, sondern offen für alle an Franken Interessierten.

Wer war Peter Schneider?

Peter Schneider wurde am 20. Juni 1882 als Sohn einer alteingesessenen Bamberger Familie geboren. Nach dem Abitur 1901 studierte er in München und später in Würzburg Alte Sprachen, Germanistik, Geschichte und Geographie, erlangte 1907 die Doktorwürde und schlug die Laufbahn eines Gymnasiallehrers ein. Zunächst unterrichtete er in Bamberg, ab 1911 in Speyer. Dort heiratete er 1912 die Bambergerin Babette Reinlein; aus dieser Ehe gingen vier Kinder hervor. 1920 zog er wieder nach Würzburg und lehrte am Neuen Gymnasium. Nach einer kurzen Lehrtätigkeit in Aschaffenburg kehrte er 1934 wieder an ein Würzburger Gymnasium zurück. Bei dem verheerenden Angriff auf Würzburg am 16. März 1945 verlor er Hab und Gut; seine umfangreiche Bibliothek sowie Aufzeichnungen und Manuskripte verbrannten. Die folgenden drei Jahre verbrachte er mit seiner Familie in Gerolzhofen, um schließlich 1948 in seine Heimatstadt Bamberg zu ziehen und die Leitung des dortigen Alten Gymnasiums zu übernehmen. 1950 schied er aus dem Schuldienst aus. Er starb am 19. Januar 1958 in Bamberg und wurde hier zwei Tage später unter großer öffentlicher Anteilnahme beerdigt.

Schon in jungen Jahren trat Schneider mit (kunst-)historischen und volkskundlichen Themen an die Öffentlichkeit. Zunehmend wurde die Beschäftigung mit Franken, seiner Geschichte und Kultur, seiner Landschaft, seiner Sprache und seinen Bewohnern zu seiner Lebensaufgabe; er setzte sich leidenschaftlich für eine lebendige Vermittlung der fränkischen Geschichte und Kultur ein, die zugleich wissenschaftlich fundiert wie auch volkstümlich nahegebracht sein sollte. Sein Ziel war es, seinen Landsleuten Heimatbewußtsein zu vermitteln und - wie wir heute sagen - eine fränkische Identität zu stiften. (Schneider selbst redete in der Sprache seiner Zeit vom Aufbau und von der Förderung eines fränkischen Stammesbewußtseins.) Die in Franken lebenden Menschen wollte er anregen, sich stärker ihrer geschichtlichen und kulturellen Wurzeln bewußt zu werden und dieses Erbe auch tatkräftig zu pflegen. Hierzu gehörte für ihn auch die Bewahrung der Mundart. Nicht zuletzt auf diesem Wege sollte einer von ihm beobachteten "schleichenden Bajuwarisierung Frankens" entgegengewirkt werden.

Unermüdlich war er neben Beruf und Familie hierfür tätig: Er hielt Vorträge zu historischen und volkskundlichen Themen, schrieb Erzählungen und Lyrik, veröffentlichte viele Artikel in Zeitschriften und verfaßte Theaterstücke über fränkische Stoffe, an deren Aufführung er sich zuweilen selbst beteiligte. Über 100 Publikationen listet sein Biograph in der Zeit von 1906 bis 1954 auf. Schneider war ein vielbeachteter Schriftsteller und Forscher, zu dessen Arbeitsgebieten fränkische Geschichte, Volkskunde, Heraldik und Sprachforschung gehörten, wie auch ein begnadeter Redner, der seine Zuhörer zu begeistern und mitzureißen wußte.

In Anerkennung seiner Pionierarbeit setzte der Frankenbund seinem Gründer 1959 einen Gedenkstein auf dem Schwanberg (Landkreis Kitzingen).